[Rezension] Taken - Das Laicos-Projekt 1 (Erin Bowman)



Infos zum Buch:
Originaltitel: Taken #1
Autor/in: Erin Bowman
Seiten: 352
Verlag: Piper (16. April 2013)
ISBN: 978-3-492-70266-9
Preis: 16,99€ (KB)
Genre: Jugendbuch, Dystopie, (ein bisschen) Romance
Reihe: "Taken"-Trilogie
  1. Das Laicos Projekt 1
  2. "Frozen" (eng., 15.04.2014!)

Klappentext:
Wenn um Mitternacht die Erde bebt, der Wind aufheult und ein leuchtender Blitz im Dorf einschlägt, wissen die Bewohner von Claysoot: Erneut wurde jemand von ihnen geraubt. Doch rätselhafterweise trifft dieses Schicksal ausschließlich die Männer in der Nacht ihres 18. Geburtstags. Gray ist 17 und weigert sich, dieses Todesurteil zu akzeptieren. Deshalb wählt er die einzige Alternative, die ihn vor dem »Raub« rettet – er besitzt den Mut, jene unheimliche Mauer zu überwinden, die Claysoot vom Rest der Welt trennt. Doch noch kein Dorfbewohner vor ihm hat das überlebt ...

Meine Meinung:
Ich bin mir nicht ganz sicher warum, aber dieses Cover hat mich magnetisch angezogen, mein Blick blieb praktisch an dem Cover kleben. Es ist recht simpel gestaltet und doch hat es einen gewissen Wiedererkennnungswert und etwas Eindrucksvolles. Eine verdreckte Ziegelsteinmauer mit einem Stacheldrahtzaun, auf der groß der Titel "TAKEN" steht. Rechts erkennt man noch einen schemenhaft stehenden Mann. Von den Umrissen her, habe ich mir unseren Protagonisten Gray ganz anders vorgestellt, aber dass die Person ihn darstellen soll, wird trotzdem deutlich.

Der erste Schauplatz ist das kleine Dorf Claysoot (was so viel bedeutet, wie "Lehmruß"), die von einer Mauer umgeben ist. Mit 18 Jahren werden ausschließlich alle Männer "geraubt", das bedeutet, sie verschwinden oder sterben, man weiß es nicht genau, denn nach einem Erdbeben und einem hellen Blitz, sind sie einfach weg. Viele haben schon versucht, über die Mauer zu klettern, doch es kehren jedes mal nur verkohlte Leichen zurück. Die Leute dort kennen es nicht anders und leben mit diesem Umstand, als wäre es eben ganz natürlich. Weil die Männer jung sterben, werden sie jeweils monatlich einem Mädchen "zugeteilt", das sie, im besten Fall, schwängern sollen - logisch, wie sonst sollen sich die Leute dort vor dem Aussterben schützen? Dinge wie "alte Männer", "Heirat" und "Paare" gibt es dort nicht, oder nur sehr selten, denn was nützt es eine Beziehung aufzubauen, wenn am Ende der Partner ohnehin stirbt?

Gray und sein Bruder Blaine sehen sich unglaublich ähnlich, könnten aber nicht verschiedener sein. Gray hat graue Augen, ist impulsiv, leidenschaftlich und sehr stur, während Blaine mit seinen blauen Augen als der besonnene, kluge und ruhige große Bruder gilt, den alle mögen. In ein paar Tagen wird Blaine jedoch geraubt werden und daraufhin bleibt Gray nichts anderes übrig, als genau ein Jahr ohne jegliche Familie auszukommen. Doch dann findet er einen geheimen Brief seiner Mutter und findet etwas heraus, dass all seine Zweifel auslöscht und stattdessen einer Entschlossenheit Platz macht, die Mauer zu überwinden und die Wahrheit herauszufinden.

Das Buch beginnt direkt mit dieser trüben, angespannten und traurigen Stimmung und ich war von der ersten Seite an wie gebannt. Das Lesen fiel mir sehr leicht, sodass ich wirklich schnell mit dem Buch fertig war und die Geschichte in einem Stück "aufsaugen" konnte, denn so erschien es mir tatsächlich. Diese unglaubliche Situation in Claysoot wird sehr authentisch und faszinierend dargestellt und beschrieben und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. Überhaupt punktet die Autorin mit einem flüssigen und schönen Schreibstil, bei dem man pures Kopfkino erlebt. Die Handlung ist wahnsinnig rasant, die vielen Wendungen sind überraschend und der Leser ist die ganze Zeit gespannt, wie es weitergeht. Die gesamte Story wird aus Grays Sicht in Ich-Form und in Gegenwart erzählt, sodass man sich sehr gut in den Protagonisten hineinversetzen kann. Außerdem wird das Buch in vier Teile gesplittet, wobei sich die Spannung mit jedem Abschnitt unfassbarerweise steigert!

Der Aspekt der Dystopie wird in diesem Buch wirklich gut dargestellt. Nach langer Zeit und nach einigen anderen Dystopien, kann ich endlich erfreut feststellen, dass es vordergründig mal nicht um eine 08/15-Liebesgeschichte geht und die koruppten Gesellschaftszustände völlig in Vergessenheit geraten. Eher ist es umgekehrt. Wir lernen Emma kennen, die im Krankenhaus arbeitet und die mit Gray die einzige zu sein scheint, die die Zustände in Claysoot als unnatürlich empfindet. Die beiden kommen sich bei einer "Zuteilung" näher und doch steht die Sehnsucht nach Freiheit im Vordergrund. Später kommt es mehr oder weniger zu einer Dreiecksbeziehung zwischen Emma, Gray und einem weiteren Mädchen, das erst später in der Geschichte auftaucht. Ich bin zwar kein großer Fan von Dreiecksbeziehungen in Büchern, aber ich finde es wirklich interessant die Konstellation mit zwei Mädchen und einem Jungen beobachten, anstatt mit zwei Jungen und einem Mädchen. Ich meine, warum denn mal nicht andersherum? Jeder redet von Gleichberechtigung, also sollte dieser Gedanke die Leser nicht sehr abschrecken. Die Entwicklung ist interessant und ich bin gespannt, mit welchem Mädchen Gray am Ende zusammen kommt, obwohl ich eine Vorahnung habe.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass der Protagonist trotz seiner Naivität und Sturheit zu leicht über Hindernisse springt. Gray handelt oft ohne groß nachzudenken und riskiert dabei sehr viel und trotzdem kommt er am Ende immer irgendwie zu schnell durch. Es hätte der Geschichte etwas mehr Authentizität verliehen, wenn er mal über eine längere Zeit in einer komplett ausweglosen Situation stecken geblieben wäre und nicht allein wieder herausgekommen wäre. Die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und waren mir sehr sympathisch. Und weil ich das Buch wirklich mag und total gespannt darauf bin, wie es weitergeht, werde ich das Buch ausnahmslos allen empfehlen, die eine einzigartige und mitreißende Dystopie lesen wollen!

Fazit:
4,5 von 5 Punkten! :)
Eine WIRKLICH spannende Dystopie mit völlig neuen und interessanten Ideen!

Kommentare:

  1. Jaaaa! Mir hat es auch so gefallen <3
    Ich fand die Welt von Claysoot abgeleitet so interessant. Endlich mal ein ganz anderer und ganz besonderer Einstieg <3
    Freu mich auf die Fortsetzung!

    glg
    Steffi

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  2. Das klingt interessanter als ich gedacht habe. Das Buch hat mich vom Klapptext her nicht besonders angesprochen, doch deine Rezension macht Lust auf mehr.

    Eine 3Ecksbeziehung ist nur so interessant wie der Autor sie darstellt, von daher schreckt es mich nicht ab, aber du hast Recht, dass die Darstellung 2 Mädels § 1 Kerl schon ein wenig seltener vertreten ist. Interessant wird es eh erst, wenn hier die Mädels für ihn zu Anfang an gefühlstechnisch auf gleicher Stufe stehen.

    Ich werde das Buch mal auf meine Wunschliste setzen.

    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Freut mich, dass ich dir das Buch etwas näherbringen konnte! :))

      Sehe ich genau so. Das interessante ist tatsächlich, dass der Protagonist gegen Ende hin was seine Gefühle gegenüber den Mädchen angeht, vollkommen verwirrt ist und es eigentlich komplett offen bleibt, für wen er "mehr" empfindet. Genau das macht die Entwicklung für mich reizvoll. :)

      Super! :))

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  3. Wow, das klingt echt interessant.
    Und ein weiteres Buch auf meiner Wunschliste :-D

    LG Dene :-)

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Danke für dein Kommentar! :) ♥