[Rezension] Enders (Lissa Price)

http://www.piper.de/typo3temp/pics/305486e780.jpgInfos zum Buch:
Autor/in: Lissa Price
Preis: 15,99€
Seiten: 352
Originaltitel: Enders
Verlag: ivi
Reihe: "Starters"-Dilogie
  1. Starters
  2. Enders

Vorsicht! Dies ist die Rezension zum zweiten und letzten Band einer Reihe und kann daher Spoiler enthalten!

Klappentext:
Die 16-jährige Callie lebt in einer Welt, in der eine unheimliche Katastrophe alle getötet hat, die nicht schnell genug geimpft werden konnten – nur sehr junge und sehr alte Menschen haben überlebt. Während die Alten ihren Reichtum seitdem stetig mehren, verfallen die Jungen einer anscheinend ausweglosen Armut. Die einzige Möglichkeit für die jugendlichen Starters, an Geld zu kommen, war bislang die Body Bank. Dort konnten sie ihre Körper an alte Menschen vermieten, um so ihr Überleben zu sichern. Callie ist es gelungen, die Machenschaften des skrupellosen Instituts zu stoppen. Doch nun sieht sie sich einer viel größeren Gefahr gegenüber: Der Old Man, der mysteriöse Leiter der Body Bank, ist entkommen und trachtet Callie nach dem Leben. In einer erbarmungslosen Jagd wird ihr klar, dass das Geheimnis des Old Man dunkler ist, als sie es jemals erahnen konnte. Denn der Schlüssel dazu liegt in ihrer eigenen Vergangenheit verborgen.

Meine Meinung:
Was das Cover und überhaupt die Aufmachung des Buches angeht, bin ich ähnlich begeistert wie beim ersten Band. Auch ohne Schutzhülle, macht das Buch einen edlen und guten Eindruck, da der Einband silbergrau und metallisch glänzt. Ich finde es sehr gut, dass diese Dilogie mit dem Titel "Starters" anfängt und mit "Enders" endet, was an sich nicht super kreativ klingt, aber gut zur Geschichte passt.

Diese Reihe kann man unter die Genren Dystopie und Jugendbuch einordnen. Für Dystopien ist es für mich eine absolute Voraussetzung, dass die beschriebene, dystopisch entwickelte Welt und Gesellschaft spätestens gegen Ende der Geschichte, sei es im letzten Band einer Reihe oder auch ganz am Anfang, hinreichend erklärt werden und diese Entwicklung ins Negative bis hin zu dem Zeitpunkt, an dem die Geschichte beginnt, ebenfalls logisch, knapp und plausibel dargestellt wird. Nachdem "Starters" dies nicht tut - Stichwörter: die Sporenkriege, bei denen beinahe alle Middles getötet wurden, Starters werden plötzlich zu wertlosen Existenzen, Enders regieren die Welt u.s.w. - habe ich fest damit gerechnet, dass "Enders" diese Fragen endlich beantworten würde. Derweilen konnte Band 1 diese Mängel mit Spannung, Romantik, Action und großen Überraschungen ausgleichen. Von der Fortsetzung "Enders" bin ich allerdings sehr enttäuscht, da es auch diesmal weder Erklärungen gibt, noch die anderen genannten Aspekte gut waren.

Direkt am Anfang hatte ich leider Probleme, wieder in die Geschichte hineinzukommen, da zwischen Band 1 und 2 eine relativ weite Zeitspanne liegt. "Enders" beginnt nämlich nahtlos am Ende von "Starters" und es gibt auf den ersten Seiten nur wenige und sehr kleine Hinweise/Erinnerungen an die vergangenen Ereignisse. Was ich bei Band 1 schon kritisiert habe, waren zu viele Charaktere vorhanden, die teilweise überhaupt nichts miteinander zu tun haben oder gar eine wichtige Rolle für die Geschichte spielen. Schade, dass genau diese Charaktere hier wieder aufgegriffen werden, warum auch immer. Nach einigen Kapiteln und der Hilfe von anderen Lesern, die mein Gedächtnis auffrischen konnten, ging es wieder.

Davon abgesehen, finde ich den Anfang ganz gut. Der böse, raffinierte und anonyme Old Man taucht plötzlich in Callies Kopf auf und bringt dort alles durcheinander. Es ist verrückt und gleichzeitig aufregend, als mir an den Stellen, an denen er in Callies Kopf mit ihr spricht und ihr Todesangst einjagt, eisige Schauder über meinen Rücken gekrochen sind. Die gesamte Story ist nämlich wieder allein aus Callies Sicht in Ich-Form und Vergangenheit. Es ist, als ob der Old Man überall ist und Callie durch den Chip für ihn zu einer gruseligen Marionette geworden ist. Dieser Teil hat echte und greifbare Atmosphäre und hat mich tatsächlich begeistern können, gerade weil die Vorstellung davon so gruselig war.

Der Schreibstil hat sich allerdings verschlechtert. Die Sprache ist irgendwie zu einfach, zu platt und ohne richtigen Stil. Die Welt, die Charaktere, die allgemeine Umgebung, der Spannungsaufbau - all diese Dinge werden stark vernachlässigt und das distanziert den Leser immer mehr von der sehr rasanten und teilweise zusammenhanglosen Handlung. Die Motivation weiterzulesen sinkt und jede weitere Handlung lässt einen völlig kalt. Die großen Showdowns am Ende sind für mich viel zu vorhersehbar und lassen auch sonst alles langweilig erscheinen. Am allermeisten hat mich aber die fehlende Logik gestört! Die Charaktere und vor allem die Protagonistin Callie, handeln oft vollkommen unpassend, impulsiv und unlogisch, einzelnde Szenen wirken komplett unangebracht, unauthentisch und geküstelt, während es im Grunde gar keinen roten Faden gibt. Der Leseprozess wurde dadurch sehr langwierig und anstrengend.

Dann erscheint plötzlich ein neuer Charakter: Hyden. Er befreit Callie in einer brenzligen Situation aus den Fängen des Old Mans, auch wenn Callie nicht damit einverstanden war, dass er sie dafür betäubt und dann entführt. Wie sich aus so einem, nicht gerade auf Vertrauen basierenden, ersten Treffen eine übereilte Liebesgeschichte entwickeln konnte - ich kann es mir nicht erklären. Von so einer bei den Haaren herbeigezogenen und unauthentischen Liebesgeschichte, habe ich nur sehr selten gelesen. Zudem ist Hydens Charakter extrem oberflächlich ausgearbeitet und hatte für mich keine Reize, die ihn wirklich interessant gemacht hätten. Er ist der Sohn vom Old Man selbst, kennt in also in- und auswendig und ist noch dazu ein echtes Superhirn, gerade deshalb ist er der größte Feind seines grausamen Vaters. Ich hatte Angst, dass sich zwischen Callie, Hyden und Michael (der beste Freund von Callie) eine Dreiecksbeziehung entwickeln könnte - das hätte dem Buch wahrscheinlich den Rest gegeben - aber dies passiert glücklicherweise dann doch nicht.

"Enders" ist insgesamt leider ein Buch, welches ich im Nachhinein lieber nicht hätte lesen sollen. Band 1 hat mich wirklich begeistert und positiv überrascht, die Idee der Body Bank und dieser vollkommen anderen Gesellschaft hat mich in den Bann gezogen. Doch im zweiten und letzten Band der Reihe, findet man überhaupt nichts Neues und man wird ausschließlich von mangelnder Qualität "überrascht". Der Schreibstil war unterer Durchschnitt, die Charaktere einfach nur flach und unlogisch, die Handlung zwar rasant, aber zusammenhanglos und zu oberflächlich, die Aspekte des Dystopie-Teils wurden komplett vernachlässigt und die Spannung war quasi nicht vorhanden. Vielleicht waren meine Erwartungen nach dem tollen ersten Band zu hoch, aber das erklärt trotzdem nicht, wieso sich der Stil dieses Buches vollkommen von seinem Vorgänger unterscheidet.
Sehr schade!

Fazit:
Leider nur 2 von 5 Punkten!
Eine Fortsetzung, die man sich auch hätte sparen können. :(

Ich bedanke mich bei Caro für unser kleines Leseduett! ♥

Kommentare:

  1. Noch viel schlimmer finde ich, dass die Autorin noch schier ewig an dem Buch geschrieben hat. Über 1,5 Jahre auf die Fortsetzung warten und dann sowas...

    Kann dir in allen Punkten nur zustimmen :( Logikprobleme, viel zu vorhersehbar, die "Liebe" zu Hyden ein Witz und das "Finale" erst!

    Gruml, irgendwie verbinde ich nur schlechte Erinnerungen mit dem Buch -.-

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    1. Daran hab ich gar nicht gedacht, aber du hast vollkommen recht! Das macht das Ganze gleich doppelt so schlecht. -.-*

      Das Verrückte ist, ich wusste wirklich an allen "Wendungen", was passieren wird, total blöd! :(( Da war kein bisschen Raffinesse...

      Super schade, dabei habe ich mich wirklich auf das Buch gefreut. :/

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  2. Mir haben Starters und Enders nicht so gefallen, bin nur froh, dass es beendet ist :D

    LG, Sandrina

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    1. Ich find's einfach nur so schade. :/ Naja, das Leben ist eben kein Wunschkonzert! ^^

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Danke für dein Kommentar! :) ♥