[Rezension] Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger - Yann Martel

Infos zum Buch:
Autor/in: Yann Martel
Preis: 9,99€ (TB)
Seiten: 384
Originaltitel: Life of Pi
Verlag: FISCHER Taschenbuch

Klappentext:
Schiffbruch mit Tiger? Diese Geschichte würden Sie nicht glauben? Kein Wunder. Fantastisch. Verwegen. Atemberaubend. Wahnsinnig komisch. Eine Geschichte, die Sie an Gott glauben lässt. Pi Patel, der Sohn eines indischen Zoobesitzers und praktizierender Hindu, Christ und Muslim erleidet mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Tiger namens Richard Parker Schiffbruch. Bald hat der Tiger alle erledigt – alle, außer Pi. Alleine treiben sie in einem Rettungsboot auf dem Ozean. Eine wundersame, abenteuerliche Odyssee beginnt....

Meine Meinung:
Dieses Cover gehört zu den eindruckvollsten und schönsten in meinem Regal. Auf der oberen Hälfte sieht man einen Kopf eines Tigers, der sich dem Betrachter vollkommen zuwendet und ihn direkt anstarrt. Es erweckt den Eindruck eines bedrohlichen Blickduells und doch ist man gleichzeitig von der Schönheit dieses Tiers fasziniert und betört. Auf der unteren Hälfte ist ein honiggelbes Meer zu sehen, ein Boot, in dem der Tiger sitzt und unser Protagonist Pi selbst, der auf einem Floß steht und ganz vorne schwimmt eine Trinkwasserdose an der Oberfläche. Das gesamte Bild besteht aus gelb- und Goldtönen und hat eine warme und exotische Wirkung. Der Eyecatcher schlechthin. "Life of Pi" ist meiner Meinung nach ein besserer Titel für dieses Buch, als "Schiffbruch mit Tiger", denn ob Pi diesen Schiffbruch überlebt oder nicht, es wird sein ganzes Leben verändern.

Piscine Molitor Patel, kurz Pi Patel wächst in einem Zoo in Pondicherry, Indien, auf und eines Tages beschließen seine Eltern nach Kanada auszuwandern - mitsamt den Zootieren. Auf einem japanischen Frachterschiff beginnt ihre Reise auf dem Ozean und der junge Pi - er war bei der Abreise 16 Jahre alt - ist schon ganz aufgeregt. Eines Nachts hört Pi eine Explosion und wacht auf. Draußen herrscht ein Sturm, kein Monsun, aber Pi merkt trotzdem, dass etwas nicht stimmt. Das Schiff kentert und Pi wird von den Matrosen auf das Rettungsboot geworfen. Mitsamt einem Zebra, einer Hyäne, einem Orang-Utan und einem bengalischen Tiger sieht er zu, wie das Schiff kentert und seine ganze Familie mit in den Tod reißt. Es beginnt eine einzigartige Reise, in der Pi die dunkelste Seite seiner selbst kennenlernt...

Pi hat für mich einen sehr besonderen Charakter. Er ist ein sehr religiöser, aber kein konservativer oder extrem fundamentalistischer Gläubiger, im Gegenteil, sein Glaube besteht aus einer Mischung von Christentum, Hinduismus und Islam und er geht offen damit um. Gott ist für ihn real und gerade während der gefährlichsten Situationen, die er auf dem Rettungsboot erlebt, ist Gott seine einzige Hoffnung. Pi hat eine sehr offenherzige, aufrichtige und unschuldige Wahrnehmung der Welt, sodass man ihn schnell ins Herz schließt. Er denkt so, wie es nur Kinder tun können. Man könnte ihn einen Optimisten nennen, oder einen Menschen, der keine Vorurteile hat.

Das Buch ist in drei Teile eingeteilt. Im ersten Teil lesen wir von Pis Kindheit und Vergangenheit, wir lernen ihn kennen und haben eine Basis, auf die die Geschichte aufbauen wird und erst mit dem zweiten und mit Abstand längsten Teil, fängt die eigentliche Geschichte mit dem 227-tägigen Schiffbruch an. Der dritte Teil ist sehr kurz und abrupt und befasst sich mit dem, was nach Pis Rettung geschieht und beinhaltet im Finale nochmal eine gewaltige Wendung. Die Geschichte wird durchgehend aus Pis Sicht in Ich-Form und in Vergangenheit erzählt und hat exakt 100 Kapitel, was auch vollkommen beabsichtigt ist. Yann Martels Schreibstil ist wirklich fantastisch. Ich habe selten ein Buch gelesen, dass schon allein wegen seines wunderschönen, aufmerksamen, lebendigen und nie langweilig werdenden Monologe vollkommen für sich besteht. Der Autor entführt den Leser auf eine einzigartige Weise in eine völlig fremde und doch faszinierende Situation. Dadurch, dass der Protagonist so vielseitig und sympathisch ist, will man einfach nie aufhören davon zu lesen, was Pi so durch den Kopf geht. Er beschreibt nicht nur die Dinge, sondern bezieht den Leser indirekt mit ein und man fühlt sich nie ausgeschlossen, obwohl einem viele Dinge eigentlich fremd sein müssten. Ich hatte sehr oft auch das Gefühl, etwas nebenher dazuzulernen und mich weiterzubilden. Das rechne ich dem Autor wirklich hoch an, von so jemandem können sich viele Autoren gerne was abschneiden!

Ich kenne mich mit der indischen Kultur aus, sowie in den Religionen, also war dieses Buch für mich gleich doppelt so interessant. Meine Erwartungen wurden letztendlich sogar übertroffen, ich hätte nicht gedacht, dass "Life of Pi" so tiefgründig und philosophisch sein würde. Gerade im ersten Drittel des Buches, hat man oft was zu lachen und ich hatte noch dazu einen gewissen "Heimvorteil", da ich beispielsweise alle indischen Gerichte wirklich kannte. Das Verhalten von Tieren, Gott und das Überleben bei Schiffbruch sind große Aspekte in diesem Buch und von allen dreien habe ich mich durchgehend unterhalten gefühlt. Es wird einfach nie langweilig!

Während Teil 1 sich wie eine ganz normale Geschichte lesen lässt, ist Teil 2 von einem ganz anderen Kaliber. Es ähnelt mehr einem Tagebuch und man erlebt Pis geballte Verzweiflung/Angst, aber auch sein Durchhaltevermögen mit. Dieser Teil ist sehr lang und wirkt demnach vielleicht etwas zäh, aber als Leser vergisst man nie, dass auch dieser Kampf ums Überleben für Pi eine einzige Tortur war und sie sehr langwierig sein musste. Richard Parker, der Tiger, und Pi haben einen Konkurenzkampf vor sich, den wohl kein Leser so schnell vergessen wird. Pi wird dabei aber nie als die selbstversändlich Übermacht dargestellt, denn er vergisst nie, dass der Tiger ein gefährliches Raubtier ist und er nur ein wehrloser (und nahrhafter) Mensch. Leider gab es aber in diesem Teil meiner Ansicht nach zu viele Passagen, in denen man von blutigen Eingeweiden u.Ä. liest, denn so verlieren diese Stellen irgendwann an Bedeutung und der besondere Effekt - man empfindet Ekel, kann aber nicht leugnen, dass man in einer solchen Situation nicht das Gleiche getan hätte - geht verloren.

Insgesamt ist dieses Buch ein Meisterwerk! Vollkommen mitreißend, mal etwas komplett anderes, ein wunderbarer Schreibstil und einfach durchgehend faszinierend. Ich war gleichermaßen erschrocken, sowie auch fasziniert, zu was ein Mensch in einer verzweifelten Lage und aus purem Überlebensinstinkt bereit ist zu tun... Das Ende wühlt den Leser nochmal vollkommen auf, denn alle Tatsachen werden nochmal verwischt und es kommt eine nicht ganz positive Überraschung. Aber genau diesen Effekt will der Autor auch hervorrufen, denn man hinterfragt die ganze Geschichte mit einem Mal. Ich persönlich fand dieses Ende nicht so gut, da es für mich ein wenig zu abrupt war. Eine riesengroße Empfehlung für alle, die auf der Suche nach etwas Tiefgründigem, aber auch etwas komplett Neuem sind!

Fazit:
4,5 von 5 Punkten! :)

*Film-Trailer*
(Es lohnt sich ihn anzuschauen.)

Kommentare:

  1. sehr schöne Rezi, das Buch wandert gleich auf meine Wunschliste

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  2. WOW!!!
    Ich kannte dieses Buch noch überhaupt nicht, aber deine Rezi hört sich ja echt fantastisch an.
    Gleich im Einkaufswagen... das nehm ich mit in Urlaub über Weihnachten :-)
    Vielen lieben Dank

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  3. Ich habe von dem Film gehört, deshalb kenne ich die Handlung schon grob.
    Kann es sein, dass der Tiger Pi am Ende tötet?
    Wenn ja, dann will ich das Buch vermutlich nicht lesen...
    Ich will mir nicht die vorweihnachtliche Stimmung verderben :D
    Trotzdem wiedermal eine sehr schöne Rezi <3

    LG Olek :*

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  4. Herzlichen Dank ihr lieben! ♥ :))
    Und bitte, der Blog dient euch hoffentlich auch zukünftig dazu, gute Buchtipps zu bekommen. ^^

    @Olek: Oh mann, wie soll ich denn jetzt darauf antworten? ^^ Wo hast du das denn mitbekommen? Ich werde absolut NICHTS sagen, spoilern ist nämlich doof. ;) Wer weiß, ob Pi am Ende von Richard Parker getötet wird oder nicht... ^^

    Ich kann dir aber morgen dann sagen, wenn du es UNBEDINGT wissen möchtest. ^^ :*

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  5. Ich habe das Buch gerade zu ende gelesen und ich kann dir nur zu stimmen, es ist ein wirklich fantastisch und einzigartiges Buch :D Ich will unbedingt den film sehen, der trailer ist toll :-)
    LG Anna

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Danke für dein Kommentar! :) ♥