[Rezension] Schattenblüte - Die Verborgenen - Nora Melling

Infos zum Buch:
Autor/in: Nora Melling
Preis: 14,95€
Seiten: 352
Verlag: Rowohlt
Reihe: Schattenblüte-Trilogie
  1. Die Verborgenen
  2. Die Wächter
  3. ?

Klappentext:
Eine Liebe‚ stärker als der Tod.
Seit dem Tod ihres Bruders ist für Luisa nichts mehr, wie es war. Sie beschließt zu sterben. Aber kurz vor dem letzten Schritt hält jemand sie auf: Thursen nennt sich der Junge mit den ­geheimnisvollen Schattenaugen. Mit einer Gruppe ­Jugendlicher lebt er im Wald, und er spürt Luisas Schmerz. Die «Verborgenen» können ihre Gestalt ändern: Sie sind ­Werwölfe. Mit jeder Verwandlung wird Thursen mehr zum Tier – und die Erinnerungen an sein vorheriges Leben verblassen. Bald wird er ganz Wolf sein. Dann hat Luisa auch ihn verloren. Für ihre große Liebe ­würde sie alles tun. Doch reicht das, um Thursen zu retten?

Cover und Buchtitel:
Beides mehr als gelungen! Abgesehen von der schwarzen Haarfarbe (Luisa hat blonde Haare) könnte das hübsche Mädchen mit den grau-blauen Augen Luisa darstellen. Auch die Schattenblüte hat ihren Sinn, bei den ersten Zusammentreffen von den "Verborgenen" und Luisa, hat Sjöll ihr eine schwarze Blume in das Haar gesteckt. Die Blume ist wunderschön mit Wassertropfen auf den Blumenblättern. Die Tropfen sind auf dem Cover leicht "angehoben" und glänzen sehr realistisch. Der Buchtitel "Die Verborgenen" passt inhaltlich perfekt zum Buch, es geht um die Jugendlichen, die sich versteckt halten. Durch und durch wunderschön! Ist euch aufgefallen, dass mit der Zeit die Cover generell sehr viel schöner und aufwendiger werden, als früher? Ich habe das Gefühl, dass sich die Covergestalter extrem viel Arbeit damit machen, schließlich zählt der erste Eindruck des Buches am meisten. Danke, dass ich jetzt so viele schöne Bücher in meinem Regal stehen habe!

Schreibstil und Charaktere:
Ich kann nicht behaupten, dass mir das Buch von Anfang an gefallen hat oder ich mitgerissen war. Es war mehr ein langsames Kennenlernen und Angewöhnen. Der Start ist holprig, abgehackt und ich habe wirklich schon Angst gehabt, dass dieses Buch ein Reinfall wird... Zum Glück habe ich weitergelesen! Einer der Gründe, weshalb ich vielleicht nicht sofort reingekommen bin, ist der Schreibstil. Da kann Nora Melling aber gar nichts für, denn ich mag es einfach meistens nicht, wenn die Geschichte in Gegenwart geschrieben ist. (Eine Ausnahme war die DTVP-Trilogie von Suzanne Collins) Durchgehend wird aus Luisas Perspektive in Ich-Form erzählt, was ich wiederrum gut finde. Nach den ersten 70 Seiten habe ich mich an die Geschichte gewöhnt, es fällt mir von da an viel leichter weiterzulesen. Kurz danach war ich mittendrin und konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen.

Ein weiterer Grund, der dieses Buch so besonders macht, ist seine geballte Trauer, dieser Berg aus Gefühl. Wie eine dicke Gardine verbirgt der Schmerz, das Leid und die unendliche Trauer die wahre Schönheit des Buches. Um diese zu finden, braucht es einfach seine Zeit. Ganz am Anfang dachte ich, dass es nur um die Trauer geht, aber spätestens nach einem Drittel wusste ich, dass das nicht stimmt. Sämtliche Charaktere haben mich irgendwie berührt, sie haben Tiefgang und die Fähigkeit sich vor meinen inneren Auge zu formen. Ohne große Beschreibungen haben sie in meinem Kopf sofort Gestalt angenommen, was ich der Autorin hoch anrechne.

Luisa Folkert, ein zerbrochenes Mädchen. Ihr Bruder Fabian ist vor ein paar Monaten an Krebs gestorben. Bis zum letzten Moment hat sie gehofft, dass ihr Bruder es doch noch irgendwie schafft, aber es passierte trotzdem. Er starb und nun sind sie nur noch zu dritt in der Familie. Den Anblick des alten Hauses nicht mehr ertragend, ergreift die Familie die Flucht und zieht aus Lübeck nach Berlin. An nichts mehr wollen sie sich erinnern, sie wollen nur noch vergessen. Luisas Eltern sind so damit beschäftigt alles zu ignorieren und "weiterzumachen", dass es ihnen egal ist, dass Luisa auch leidet und nicht einfach weitermachen kann. Dieser Schmerz ist zu viel für sie. Ihre Schultern wollen diese Last einfach nicht mehr tragen. Sie beschließt von Grunewaldturm zu springen und sich das Leben zu nehmen, alles zu vergessen. Ganz leicht würde es sein. Dann steht sie da. Auf der Plattform und guckt von dort hinunter. Ein Augenblick noch und sie würde springen. Doch plötzlich wird sie am Arm festgehalten. Sie dreht sich um und sieht den seltsamsten Jungen, den sie je gesehen hat.

Thursen steht unter der Plattform und hält sie fest. Er scheint irgendwie grau und farblos zu sein. Mit dunkelgrauen Augen sieht er sie direkt an.

Luisa hätte sich, wenn Thursen nicht dagewesen wäre, endgültig das Leben genommen. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum sie dieser Fremde interessiert. Vor ein paar Tagen schon, hat sie ein schwarzer Hund verfolgt. Dieser schwarze Hund ist Thursen. Er führt sie zu den anderen Jugendlichen, den Verborgenen, und Luisas Leben, dass so lange stehen geblieben war, wo nichts als Tränen und Schmerz gewesen war, beginnt langsam wieder weiterzulaufen. Die Verborgenen sind Menschen, die sich, wenn sie sich nicht zu Wölfen geworden wären, umgebracht hätten, so groß ist ihr Leid. Auch Thursen ist einer von ihnen. Wenn man ein Wolf wird, vergisst man. Aber Thursen läuft die Zeit weg, er kann bald endgültig nicht mehr in seine Menschengestalt wechseln. Dabei haben er und Luisa sich gerade erst gefunden! Doch Luisa gibt nicht auf. Vielleicht gibt es doch noch Rettung für sie?

Dieser kurze Einblick hört sich vielleicht nach einer ziemlich "typischen" Liebesgeschichte an, aber es ist anders. Was Luisa und Thursen verbindet, ist nicht ganz leicht zu beschreiben. Es ist das Gefühl, dass sie beide wissen, dass der andere den Schmerz versteht und nicht nur so tut als ob, wie die ganzen anderen. Auch wenn Thursen seine Erinnerung verloren hat, ist er der erste, der Luisa anhört. Mich hat dieser Teil der Geschichte vollkommen überzeugt und finde, dass gerade hier, diese ganzen gigantischen Emotionen wirklich toll zum Ausdruck gebracht werden.
Zitat: ""Ich sitze ganz oft mit Lilli am Fenster und sehe nach draußen. Sehe, wer kommt und geht. Sehe, wenn du von der Schule kommst und wie eilig du es hast, wieder zu verschwinden. Du kommst spät zurück, und obwohl du müde bist, sind deine Schultern gerader als vorher." Sie lächelt. "Irgendwie bist du mehr. Weißt du, du warst ganz durchsichtig, als zu hierhergezogen bist.""(Seite 110)
Das sagt die Nachbarin Anja zu Luisa, als Luisa sie und ihre Kinder, Lotti und ihr Baby Lilli, besucht.

Meine Meinung:
Am Anfang habe ich wirklich Panik bekommen, dass mir das Buch nicht gefallen wird, aber meine Angst hat sich zügig gelegt! Nora Melling schreibt mit so viel Gefühl und die ganze Trauer, die das Buch umfasst, hat mich wirklich gefangen genommen. Es ist, als wird die Stimmung der Geschichte greifbar und fast kann man den See aus Tränen sogar schmecken. Selten habe ich so viel Leid aus einem Buch spüren können... Trotz allem, hat die Geschichte auch ihre Schwächen. Der Schreibstil ist am Anfang zu holprig und ab und zu (wenn auch selten) gab es langatmige Stellen. Ich würde dem Buch sehr gerne die volle Punktzahl geben, aber es reicht nicht ganz. Sehr interessant waren aber die "Verborgenen". Zuerst sind da tausend Fragen, die aber auf jeden Fall zufriedenstellend beantwortet werden. Trotzdem bleiben Dinge noch offen, was auf "Mehr" Lust macht. Was ich aber unbedingt noch erwähnen möchte ist das großartige Ende! Ich bin auf der letzten Seite förmlich geplatzt vor Neugier! Gut, dass der zweite Band schon bei mir ist. :D

Fazit:
Ich vergebe 4 von 5 Punkten! :)
Ein fantastisches Werk zum Nachdenken. ;)

Kommentare:

  1. Dann wünsche ich viel Spaß mit Band 2 :-) Ich hab's leider noch nicht.

    Liebe Grüße
    MacBaylie

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  2. Das Buch liegt auch noch auf meinem Sub. Ich hoffe ich komme bald dazu es zu lesen.
    Lg Steffi

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  3. Ich wünsche dir viel Spaß dabei! :) ♥

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Danke für dein Kommentar! :) ♥